Welche Normen müssen Bauteile für die Luftfahrt erfüllen?

RIMET WISSENSBASIS – 23.08.2025

Welche Normen müssen Bauteile für die Luftfahrt erfüllen?

RIMET WISSENSBASIS – 23.08.2025

Warum sind Normen in der Luftfahrt so streng?

Komponenten in der Luftfahrt arbeiten unter Bedingungen, die in kaum einer anderen Branche vorkommen: extrem niedrige Temperaturen in großer Höhe, hohe Belastungen, Vibrationen, Druckschwankungen sowie höchste Sicherheitsanforderungen, bei denen praktisch kein Fehlermargin existiert.

Deshalb muss jedes Bauteil – selbst kleinste Einsätze, Halter oder Hülsen – strenge material-, qualitäts- und prozessbezogene Normen erfüllen.
Zuverlässigkeit und Prozessstabilität sind Grundvoraussetzungen, und die CNC-Bearbeitung muss unter streng kontrollierten Bedingungen erfolgen.

Wichtige Normen für die Herstellung von Luftfahrtkomponenten

  1. Qualitäts- und Systemnormen – AS9100 / EN9100

Die zentrale Norm für Qualitätsmanagementsysteme in der Luftfahrt.
Sie umfasst unter anderem:

  • Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitskontrolle
  • Validierung von Produktionsprozessen
  • Lieferantenqualifikation
  • Risikomanagement und Produktsicherheit

Die Erfüllung dieser Normen ist Grundvoraussetzung für die Teilnahme an globalen Lieferketten.

  1. Werkstoffnormen – AMS (Aerospace Material Specifications)

Materialien für die Luftfahrt müssen gemäß AMS zertifiziert sein. Dazu gehören besonders:

  • Aluminiumlegierungen der Serien 2xxx, 6xxx und 7xxx
  • hitzebeständige Superlegierungen (z. B. Inconel, Hastelloy)
  • Titanlegierungen wie Ti6Al4V
  • hochfeste und rostfreie Stähle
  1. Normen für Bearbeitungs- und Fertigungsprozesse

Beispiele wichtiger Standards:

  • AMS 2750 – Temperaturkontrolle in Wärmebehandlungsprozessen
  • AMS 2420 / 2468 / 2404 – galvanische und chemische Beschichtungen
  • ISO 2768 / ISO 286 / ISO 1101 – geometrische Toleranzen
  • OEM-Normen (Airbus, Safran, Collins, Pratt & Whitney)

Jeder Fertigungsschritt muss überwacht und mit detaillierter Dokumentation bestätigt werden: Basissetzungen, In-Process-Kontrollen, CMM-Messungen und FAI-Berichte.

Qualitätskontrolle – FAI, PPAP, CMM

Qualitätssicherung in der Luftfahrt bedeutet eine vollständige Dokumentation der Konformität jedes einzelnen Bauteils.
Jedes Maß laut Zeichnung muss gemessen und entsprechend den Rückverfolgbarkeitsanforderungen dokumentiert werden.

Warum ist präzise CNC-Bearbeitung so entscheidend?

Neben Maßtoleranzen sind entscheidend:

  • hohe Prozessstabilität
  • Werkzeugstandzeit und Vibrationskontrolle
  • optimal gewählte Bearbeitungsstrategien
  • Oberflächengüte (Rauheit, Welligkeit)
  • minimale Eigenspannungen

Selbst kleine Abweichungen in Masse oder Form können ein rotierendes Bauteil aus dem Gleichgewicht bringen.
Hundertstel oder Tausendstel Millimeter können sicherheitsrelevant sein — daher gelten extrem enge Kontrollgrenzen.

Wie läuft die Herstellung von Luftfahrtteilen in der Praxis ab?

Ein Hersteller muss sicherstellen:

  • Materialprüfung vor der Bearbeitung
  • Geometriekontrollen in jeder Fertigungsphase
  • vollständige Rückverfolgbarkeit von Werkzeugen und Parametern
  • Endmessung auf der CMM-Koordinatenmessmaschine
  • Archivierung aller Ergebnisse gemäß Normanforderungen

Höchste Qualität entsteht aus dem Zusammenspiel von Technologie, Erfahrung und streng kontrollierten Prozessen.

Fazit

Um ein Bauteil in der Luftfahrt einsetzen zu können, muss es strenge Anforderungen erfüllen in Bezug auf:

  • Material
  • Bearbeitungsprozesse
  • Toleranzen und Geometrie
  • Qualitätskontrolle
  • Dokumentation und Rückverfolgbarkeit